Screenguide 23 – Zwei neue Veröffentlichungen über barrierefreie Webanwendungen

Schriftzug "SCREENGUIDE" in schwarz auf weiß und invertiert

Gelegentlich schreibe ich Artikel für Fachzeitschriften. In der gerade erschienenen Screenguide sind gleich zwei Beiträge von mir enthalten. Der eine geht auf den werdenden Webstandard IndieUI ein und der andere beschreibt ein komplexes Widget, dass trotz technischer Zugänglichkeit nicht barrierefrei bedienbar ist.

Geräteunabhängige Anwendungen mit IndieUI

IndieUI steht für Independent User Interface und wird zwei technische Standards des W3C umfassen:

  1. In IndieUI: Events 1.0 werden die diversen Eingabemöglichkeiten, die ein Nutzer in einer Webanwendung vornehmen kann, zu einzelnen Events definiert, die die Webanwendung anschließend an verarbeitende Skripts weitergeben kann. So wird es möglich sein, komplexere UI Komponenten geräteunabhängig zu gestalten. Hintergrund ist, dass in der Praxis Webanwendungen für die Bedienung mit Mauszeiger und Touchscreen optimiert werden, aber andere Eingabemöglichkeiten wie Tastatur oder Spracheingabe nicht immer beachtet werden.
  2. IndieUI: User Context 1.0 soll Webentwicklern insbesondere die Barrierefreiheit optimieren lassen, indem der Zugriff auf bestimmte Nutzereinstellungen gestattet wird. Hierzu zählen Schrift- und Farbeinstellungen, aber auch Einstellungen in einem Screenreader. Die Idee dahinter ist, dass Inhalte in einer Webanwendung möglicherweise ganz anders ausgespielt werden können, wenn Nutzer mit ihrer üblichen Darstellung nicht oder nicht gut auf die Inhalte zugreifen können. Dieser Teil berührt natürlich Aspekte, die den Datenschutz betreffen.

Die Veröffentlichung von IndieUI ist im Übrigen für April 2015 angekündigt, d.h. bis dahin soll der Webstandard auch bereits unterstützt werden. Bis dahin müssen auch die Fragen zum Datenschutz geklärt worden sein.

Die Barrierefreiheit komplexer Widgets

Mein zweiter Beitrag behandelt komplexere Widgets und deren Barrierefreiheit. Konkret geht es um den Rich-Text-Editor, der standardmäßig mit WordPress mitgeliefert wird. Zusammengefasst lässt sich sagen, dass die Barrierefreiheit des Editors gut fortgeschritten ist, aber die Nutzbarkeit trotzdem zu wünschen übrig lässt.

Die Problematik lässt sich an vielen Stellen im Web feststellen. Zuletzt hat Marco Zehe über Google Apps geschrieben und ich lese daraus, dass die Webanwendung zwar mit einem Screenreader bedienbar ist, aber

  1. nicht mit jedem Screenreader und
  2. nur wenn der Nutzer seinen Screenreader sehr gut bedienen kann.

Artikel wie diese habe ich in den letzten Monaten immer wieder gelesen, also reiht sich mein Artikel in diese Liste einfach ein.

Es bleibt dabei: Trotz Berücksichtigung von WAI-ARIA und weiteren Aspekten der Barrierefreiheit, der Zugang zum Web für blinde Nutzer bleibt eine Herausforderung. Während für den durchschnittlichen Nutzer vieles immer einfacher wird, müssen blinde Nutzer in erster Linie ihren Screenreader peitschen können, um im Web zurecht zu kommen.

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